Donnerstag, 9. Oktober 2008

keine sorge...

Ich wandere in Richtung Markt und: ein Mann hastet an mir vorbei, gefolgt von einem weiteren, zwei weiteren, drei, vier, einer ganzen Meute. Sie kriegen ihn und schlagen ihn zu Boden, Fäuste hageln auf ihn herab, Tritte landen in seiner Magengrube. Mit Hilfe der Bewohnerin rettet er sich in das Haus, vor dem er kauert. Die Meute schreit, man solle ihn rausrücken. Immer mehr Menschen strömen herbei, die Strasse ist voll wütender oder schaulustiger Leute. Doch die Polizei ist gerufen, das Haus wird gegen Selbstjustiz verteidigt.Eine Weile lang wird sich angeschriehen, dann ist sie da die Polizei. Doch eigentlich möchte man ihn nicht gehen lassen, den Dieb, wirft ihm Steine nach und blockiert den Weg. Erst mit dem eintreffen des Streifenwagens wird das Spektakel aufgelöst.
Diebstahl, so erfahre ich später am Frühstückstisch, ist erst ab einer Summe von 1000 Nuvos Soles strafbar. Gefangene Straftäter werden also einfach wieder freigelassen. Bevor der Dieb also ungestraft davon kommt schlägt man ihn lieber selbst ein paar Zähne aus oder zündet ihn gar an.
Selbst einen Bürgermeister in der Nähe von Puno, dem man Korruption vorwarf knöpfte man sich vor, übergoss ihn mit Benzin und verbrannte man kurzerhand.Die Anschuldigungen waren falsch, der Bürgermeister Asche.
Ein Waldbesitzer in der Nähe von Rio Piedras bekam Grenzstreitigkeiten mit den angrenzenden Bauern, die in seinen Wald eindrangen und sich an seinen Castañas bedienten. Also begab sich ebendieser zum Bürgermeister, damit dieser ihm bei seinen Problemen beistehe. Ganz zum Missfallen des Waldbesitzers schlug sich dieser aber auf die Seite der Bauern, also suchte sich jener neue Unterstützung. Leon Daza, ein alter Kollege, griff dann nach ein wenig finanzieller Zuwendung, sehr viel konsequenter durch, der Bürgermeister wurde mit durchschnittener Kehle aufgefunden. Einer der in den Streitereien beteiligten Bauern folgte auf dem Fusse. Sicher, die Polizei versuchte Leon Daza dingfest zu machen, doch dieser versteckte sich inzwischen im Walde. Den Wald Perus kann man einfach umstellen oder durchkämmen, es ist nicht ein Wald, es ist der Wald. Leon Daza blieb also im Wald, schoss abundzu auf Boote, die sich ihm über den Fluss näherten und wurde langsam zum Mythos. Leon Daza dachte man, von der schwarzen Liste seines ehemaligen Kollegen nichts ahnend, Leon Daza ist ein Verrückter, ein Teufel, un Diabolo. Sein Ruf hatte sich langsam verselbstständigt und nährte sich aus sich selbst. Leute gaben sich als Leon Daza aus und verbreiteten Schrecken in den verschiedensten Ecken Madre de Díos: Porto Athuro, Infierno, Rio Piedras. Überall hatte man ihn gesehen, nirgends war er zu finden. Leon Daza war in seinem Wald verschanzt und schoss weiter Leute an. Sich Beschuss im Wald auszusetzen, das gefällt auch der Polizei nicht, so wurden es fünf Tote, bis man Leon Daza dingfest machte.
Eine junge Lehrerin sieht wie ihre Schüler von Ameisen gebissen werden und eilt zur Hilfe, schlägt die Ameisen von der Haut der Kinder. Zuhause sieht die Mutter die geröteten Stellen und fragt nach, die Kinder erzählen von Lehrerin und Schlagen, die Lehrerin wird angezeigt. Im Moment hat es den Anschein, als würde sie gute acht Monate in U-Haft sitzen, bevor das ganze letzendlich aufgeklärt wird.Leon Daza hat sich schon zu Wort gemeldet. Ihn mache solche Ungerechtigkeit wütend, er, der ja sowieso schon gemordet hat, werde ausbrechen und den Anwälten und Richtern, die dies zu verantworten haben einem nach dem anderen die Kehle ein Stück öffnen.

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

"knock knock"

Anonym hat gesagt…

sind 1000 wie auch immer die inflationswaerung bei dir heisst mehr als ein fertiges kartoffel-speck-ei-omlett??

Anonym hat gesagt…

ja...auch ich erinnere mich an das Spektakel...auf jeden Fall sehr anschauliche Darstellung deinerseits!