Dienstag, 26. August 2008

¿que hace alla?

Diese Frage scheinen sich schon viele gefragt zu haben und so ganz ist sie auch nie geklärt worden. Schon vor meiner Abreise war es nicht einfach zu erklären, dass ich nicht "Die Bäumeklopfer klopfe".
Am besten beginnen wir mit der Frage: ¿Wo macht der das überhaupt?

Zum Ecocentro, wo ich lebe und arbeite, gehören 7 Hektar Land (das Ecocentro 2). Diese liegen praktischerweise auf der anderen Seite der Strasse, etwa 10 bis 15 Minuten fussweg entfernt. Diese bestehen (nach dem Konzept der AAE) aus drei Bestandteilen:

Einem Stück Wald (leider kein Primärwald, aber inzwischen wieder stattlich herangewachsen), der keiner weiteren Pflege benötigt. Der Wald steht dort nicht nur für das Weltklima, sondern hat auch seinen praktischen Nutzen. Nach Bedarf kann ihm Holz oder Bambus zum Häuserbau entnommen werden. Grössere und ältere Wälder, wie sie die Bauern in den Nukleos besitzen können durchaus auch zur Jagd und zum Sammeln von Kräutern benutzt werden.

Ein Stück ist als Agroforstwirtschaft vorgesehen. Dort sollen Holz- und Fruchtbäume für die spätere Nutzung wachsen. Die ausgewachsenen Bäume werde ich leider nicht mehr erleben. Bäume brauchen ihre Zeit, etwa vier bis zehn Jahre sind je nach Baum eingeplant bis dieser mit der Produktion anfängt. Momentan wachsen dort zwischen den meist kaum einen Meter grossen Bäumchen prächtige Bananenstauden unterschiedlichster Sorten, die fleissig produzieren und Gemüse und Kräuter wie etwa Tomaten, Zwiebeln, Salat und Petersilie. Unsere Arbeit in diesem Teil beschränkt sich, neben dem Ernten, auf das gelegentliche Giessen und Befreien der Bäumchen vom Cuzú, der von uns eingesetzten Legominosen, die die nützliche Eigenschaft hat jegliches Unkraut (und natürlich auch jede Kulturpflanze, wenn man sich nicht um sie kümmert) ungefragt zu überwuchern und an seiner freien Entfaltung zu hindern.

Den dritten Part bildet das plane Feld, auf dem die Kultur- und Nutzplanzen wachsen. In einem Feld wächst beispielsweise Mais zusammen mit leider misslungenen Gurken und Wassermelonen, auf einem anderen werden Mandarinenbäumchen zum Aufpropfen und verkaufen grossgezogen, ein weiteres ist für Reis vorgesehen. Weitgehend plegelos wachsen im Agroforstwirtschaftsbereich verschiedene Bohnensorten und auch die Samen des Cuzú erzielen auf dem Markt ihren Preis.



Das all dies bei Zeit geerntet werden muss versteht sich eigentlich von selbst. Es werden Beete angelegt, Pflanzen in Keimbeeten grossgezogen und umgepflanzt. Junge oder gerade umgepflanzte Pflanzen müssen gegossen werden. Alte Pflanzen werden vom Cuzú befreit, dort wo er nicht eingsetzt wird dem Unkraut mit der Machete der Gar ausgemacht. Momentan wird ein für Reis vorgesehener neuer Bereich Meter für Meter mit der Machete dem Erdboden gleich gemacht, hier wird später ein Feuer sein übriges tun, wenn alles gut läuft zum letzten Mal.
Das also ist die Arbeit auf dem Feld: Einsammeln, Hacken, Graben, Pflanzen, Wasser tragen und mit der Machete allem ungewünschten (pflanzlichen) den Gar ausmachen.
Hinzu kommen Schälen von Bohnen, Castañas oder Bananen für den weiteren Gebrauch, Bauen von Hühnerställen, Wassertanks, Mobilar und Keimbeeten und seltenen Arbeiten, wie die Kontrolle eines Feuers.

Zum Teil ist dies schwere Arbeit. Vor allem das Macheten durch gut drei Meter grosses "Unkraut" oder das Auflockern angetrockneten Bodens mittels Spitzhacke sind nicht wenig anstrengend und selbst das Sammeln praktischerweise auf Hüfthöhe wachsenden Cuzúsamen kann unter der tropischen Sonne schweisstreibend sein. Doch es macht Spass. Nicht zu letzt, die selbst angepflanzten Bohnen und Bananen auf dem Mittagstisch wiederzufinden ist eine wahre Freude.



Donnerstag, 21. August 2008


"Man soll nicht zündeln, Feuer ist gefährlich!" Wer hat ihn nicht schon oft gehört, diesen Satz. Aber wer hat ihn auch begriffen, wirklich verstanden? Natürlich wusste auch ich, dass Feuer gefährlich sein kann, sich je nach gegebenheiten rasend ausbreitet und einem dem Weg versperren kann. Aber es erleben ist etwas anderes.


Ein Feld war von Unkraut befreit, das inzwischen, auf dem Boden liegend, gut trocken geworden war. Ein Feuer ist zwar nicht das Lieblingswerkzeug der AAE, ein Werkzeug ist es dennoch und es kann mit Mass und mit Vorsicht überaus vorteilhaft eingesetzt werden. Da wir das Feld für den Gebrauch vorgesehen hatten, machten wir uns also an die Vorbereitungen. Wir legten schon Tage vorher Pfade rund um das Feld an, die das Feuer nicht passieren kann, organisierten Unterstützung zur Kontrolle des Feuers, Trugen ausreichend Wasser an Land, besorgten kühle Getränke, kauften Benzin und bastelten Fackeln.

Und dann geht es los. Die fackeln werden angezündet, man verteilt sich und steckt die knochentrockene Landschaft in Flammen. Mit rasender Geschwindigkeit wachsen mannshohe Flammen und breiten sich über das ganze Feld. Man muss sich beieilen, schneller als das Feuer zu sein. Die Hitze ist unerträglich, der Rauch treibt einem Ströme von Tränen über die Wangen.
Es dauert nicht lange und das Spektakel, oder zumindest der beängstigende Teil ist vorbei. Man löscht kleinere Brandherde an den Rändern des Geschehens mit Stöcken, nässt vor sich hin schwelende Haufen und die Grenzen des Feuers. Langsam zieht man sich zurück. Es ist getan.


Auch wenn wir mehr Sorgfalt in die Kontrolle des Feuers gesteckt haben, als dies üblicherweise der Fall ist (Schnell ein Feuer legen, bevor die Mittagspause beginnt ist übliche Praxis), hat es doch geschafft, was elterliche Erziehung, kursierende Horrorgeschichten und profundes Wissen nur ansatzweise zu bilden vermochten:

Echten Respekt vor Feuer.

Montag, 18. August 2008

victor se fue

Der gute Viktor hat sich auf seine Reise nach Equador gemacht. Dort wird er seinen Onkel besuchen und in die Heimat zurückkehren. Aufbruchsstimmung, Abschiedsstimmung und ein bisschen Heimweh kommen auf. Von Viktor habe ich viel gelernt. Und er hat in meiner Eingewöhnungszeit gut gedolmetscht. Ich hoffe er kann seine Pläne verwirklichen und wir sehen uns irgendwann einmal wieder.

Sonntag, 17. August 2008

Wer schon einmal Ferien in Spanien gemacht hat wird wohl wissen, dass es durchaus Gegenden gibt, in denen Ameisen eine grössere Präsenz besitzen als in unserern kalten heimischen Gefilden. In den Tropen ist nicht nur ihre Anzahl erheblcih grösser, sondern auch ihre Vielfalt. Im Land der Biodiversität gibt es unzählige verschiedene Sorten. Kleine, von der grösse eines Stecknadelkopfes, grosse, bis etwa 3cm habe ich schon gesichtet, rote (mit den Grossen, die schmerzhaftesten) und viele andere, wie etwa die mit massiven Kiefern ausgerüstete Blattschneiderameise.
Mit die sagenumwogenste Erscheinung sind aber die Chitaracos. Die Chitaracos sind ein Wandervolk. Nach und nach grasen sie Millimeter für Millimeter eine Gegend ab und nehmen alles mit was sie interessiert. Ihr Interesse wecken vor allem Eier anderer Insekten wie etwa andere Ameisen, Termiten, Bienen oder Wespen (die alle in der gleichen Fülle vorhanden sind wie Ameisen). Und hier setzt die Mythe ein.
Die Chitaracos nehmen die Eier mit in ihren, zwar mobilen, aber dennoch eindrucksvollen, Bau und behandeln sie dort so lange mit Hormonen, bis die Eier ausschlüpfen. Und was schlüpft aus den Eiern? Hier gehen die Erzählungen auseinander. Einige sagen Chitaracos, andere wiederum willenlose Insektensklaven, die den Chitaracos ihre Dienste erweisen. Auf jeden Fall aber brüten die Chitaracos auch ihre eigenen Eier aus und zwar in lebenden, aus Ameisen bestehenden, Fussballgrossen Säcken, die von Bäumen hängen.
Der ein oder andere will einen solchen Sack schon einmal gesehen oder auch mit Pfeil und Bogen durchschossen haben (worauf die Eier wie Reis aus einem Sack zu Boden fielen), Ich kann jedoch nur von ihrem Auftauchen im Ecocentro berichten.
Während etwa eines Tages durchkämmten sie das gesamte Gelände und räumten so manch einen Bau eines Insektenstaates aus. Sie sind bis etwa zwei Zentimeter lang und die Krieger sind mit furchterregenden Kiefern bewaffnet. Das erschreckendste jedoch ist ihre ungeheure Anzahl, so wie ihr ebenso promtes Kommen, wie Gehen, die eine derartige Mythenbildung nur allzu verständlich machen.

Regenwaldrundbrief

Ich bin nicht der einzige der über unser Projekt schreibt. Mit viel mehr Tradition erscheint regelmässig der Regenwald-Rundbrief der deutschen Partnerorganisation der AAE, der
Arbeitsgemeinschaft ökologischer Landbau zum angewandten Regenwaldschutz e.V., auf deren Website (http://www.regenwald-peru.de/) der interessierte Leser viel Information findet.

Der aktuelle Rundbrief befasst sich mit dem Thema Streik und ist hier zu finden:
Im Regenwald „der Teufel los“

Die Inbrandsteckung des Regierungsgebäudes soll sich fogendermassen vollzogen haben:
Ein Zug Demonstranten erreicht das Regierungsgebäude und fängt spontan an, nach Kawai, dem Regionalpräsidenten zu fordern. Die, das Gebäude sichernde, Polizei fühlt sich bedrängt, und fängt an, einen nicht gesicherten Nebeneingang des Gebäudes energisch mit zuviel Reizgas zu verteidigen, eben jenes Reizgas, das uns noch in einiger Entfernung die Tränen in die Augen trieb. Die Polizei wird überwältigt und falls verletzt zum Krankenhaus gebracht. Das Gebäude hingegen mit Benzin versetzt und durch Brandpfeile angesteckt. Die Schützen dieser Brandpfeile sind die Opfer der Misshandlung, von welcher ich berichtete.

Diese Neuigkeiten erreichten mich auf dem selben Wege wie die Geschichte vom Chuyachaqui und die Tatsache, dass eine Zitrone täglich gegen Schlangenbisse immun macht. Sie ist deshalb, auch wenn sie plausibel und realistisch klingt, mit der nötigen Vorsicht zu geniessen.

Donnerstag, 14. August 2008

hatte ich schon erwähnt,...

...dass ich gerne Post bekomme? =)
Wer über die überschüssige Zeit verfügt sei eingeladen mir zu schreiben.

Hernán Campos
AAE
Apartado de correos 114
Pto. Maldonado
Madre de Dios
PERÚ

Mittwoch, 6. August 2008

el chuyachaqui

Als wir letztlich, samenschälend, vor dem Haus sitzen, fangen urplötzlich die Hunde an zu bellen. Ein Junge von etwa 9 Jahren späht aus dem Gebüsch heraus. Erst ängstlich, gesellt er sich doch zu uns, als wir ihn herzlich begrüssen, streunende Nachbarskinder sind keine Seltenheit hier. Er setzt sich zu uns auf die Bank und wir sehen, er hat einen Arm verkrampft angewinkelt. Vermutlich eine Behinderung. Obwohl wir auf ihn einreden reagiert er nicht, starrt nur, den Rücken zu uns, in den Himmel. Wir unterlassen die Kommunikationsversuche und disputieren jetzt auf deutsch weiter. Der Junge scheint stark autistisch zu sein. So wie er gekommen ist geht er auch wieder, unvermittelt, kommentarlos.

So schon eine seltsame Begegnung.
Doch als wir Luis davon erzählen sagt dieser ohne zu zögern:
"Na klar, das war der Chuyachaqui. Der tritt häufig in dieser Form auf."


Um mein ungläubiges Gesicht nachvollziehen zu können sollte man nicht nur folgendes wissen, sondern sich auch darüber im klaren sein, das ich all dies schon wusste. Luis hat sich diese Geschichte also nicht ausgedacht, sie existierte schon.
Der Chuyachaqui also (sprich Tschujatschacki) ist ein Waldgeist. In seiner tatsächlichen Gestalt dem Pan der griechischen Mythologie garnicht unähnlich, zieht er es doch vor, insbesondere im Umgang mit Menschen, eine andere Gestalt anzunehmen. Seine Berühmtheit verdankt der Chuyachaqui seinem Hobby. Wenn die Männer tagsüber auf dem Feld arbeiten sucht er ihre Häuser auf und verführt ihre Frauen.
Selbst für mich, der ich mich einen rationalen Menschen schimpfe ist die ganze Angelegenheit ein wenig gruselig. Hoffen wir einmal, dass der Chuyachaqui weder deutsch spricht, noch die Fähigkeit (oder die finanziellen Mittel) besitzt, den Atlantik zu überqueren.