Donnerstag, 31. Juli 2008

el paro

Da es vielleicht nicht ganz durchgedrungen ist: der Streik ist vorbei. Es gibt immernoch diverse Reuniones (siehe Bild) um neue Gesetzesvorschläge auf den Weg zu bringen, aber der harte Teil, der Streik, ist vorbei.
Dafür hat sich ein Gerücht bestätigt: Die verhafteten Nativos sind in der Tat misshandelt worden. Mindestens ein gebrochener Schädel und eine Person mit zwei gebrochenen Beinen.
Auch wenn sich das andere Gerücht, dass in einem solchen Falle 1000 Nativos mit Giftpfeilen das Gefängnis stürmen nicht mehr bewahrheitet hat, ist es keine besonders gute Idee, Nativos zu misshandeln. Auf unsere Freunde aus dem Urwald haben Menschenrechtsorganisationen ein besonderes Auge geworfen.

Sonntag, 27. Juli 2008

la tarantula

Gestern Nacht hat eine Tarantel ihr Quartier in Sabines Zimmer aufgeschlagen, was diese nicht ganz so amüsant fand wie der Rest. Da aber die Tarantel weder Eier unter meine Zehennägel legt, noch schlechtes Frühstück kocht gehört sie eher zu den angenehmeren Mitbewohnern. Weg musste sie dann trotzdem.
Für alle die es bisher noch nicht so genau wussten (dieser Personenkreis duerfte relativ üppig ausfallen, da auch ich bis zu meiner Ankunft nicht so ganz wusste, was mich das nächste Jahr beschäftigen wird) beschreibe ich hier nochmal meine Tätigkeit als Zivildienst leistender bei der AAE (Asociatión Agricultura Ecologica).
Generell ist die AAE in zwei ungleiche Teile zu teilen. Der weitaus grössere Teil der Arbeit und Ressourcen fliesst in die Arbeit mit den Bauern in den Nucleos (Im richtigen Hinterweltlerland, im Gegensatz zu der eigentlich relativ grossen Stadt, in deren Nähe ich wohne).
Diesen Teil der Arbeit übernehmen die Technicos, meist Bauern oder Studenten mit dem nötigen Wissen. Technico ist kein Full-Time-Job, sondern nimmt etwa sechs Tage im Monat ein.
Der kleiner Teil sind wir: das Ecocentro. Das Ecocentro liegt etwa 3km ausserhalb der Stadt und beherbergt ausser üppiger Flora und Fauna (zu der ich später noch schreiben werde) folgende Personen:

Luis, Präsident der AAE, mein Vorgesetzter und Sohn von Castañeros (weshalb er unheimlich verschwenderisch mit dem guten Castañaöl umgeht)

Max, der andere Zivi, jogliert viel und sächselt, ist aber trotzdem nett. (photo)

Sabine, studiert Agrarbiologie, kann nicht kochen und muss sich nurnoch zwei Monate mit mir rumschlagen. (photo)

Victor, der alte Zivi, der noch einen Monat absitzen muss.

mometan Miguel, der bei uns abhängt und uns auf dem Feld hilft, solange er nicht studieren kann. An der Uni ereignete sich nämlich folgende Geschichte. Gelder wurden veruntreut, Bäume von Professoren gefällt und verkauft, die auch dann unter Gefängnisstrafe geschützt sind, wenn sie nicht der Uni gehören und dann, dann passierte ersteinmal nichts. Das hat die Studenten dann so empört, dass sie die Uni dichtmachten und einige sogar nach einem Hungerstreik ins Krankenhaus geschleppt wurden. (photo)

und natürlich meine Wenigkeit.

Auf den zum Ecocentro gehörenden 7ha Land wird das exemplarisch praktiziert, was die AAE zu vermitteln versucht: Ökologische Landwirtschaft. Erhaltung der Primärwälder, sowie deren Anreicherung mit Frucht- oder Holzbäumen und ein vernünftiger Umgang mit den vorhandenen Ressourcen. Selbst arme Bauern besitzen hier etwa 30ha Land, von dem nur etwa zwei gleichzeitig genutzt werden. Sobald diese beiden nichts mehr hergeben (der Boden also ausgelaugt ist), werden zwei andere niedergebrannt, die alten Felder dem Wildwuchs überlassen. Diese Methode schadet nicht nur dem Boden über kurz oder lang, sondern vernichtet auch unnötig viel Wald.
Der Ökologische Landbau baut auf gemischten Anbau von unterschiedlichen Pflanzen (mit unterschiedlichen Nährstoffkonsum), Legominosen, wie Mukuna oder Cuzú, und Forstwirtschaft.
(Legominosen sind Pflanzen, die den Boden mit Nitrat anreichern und ausserdem dem Unkraut kein Durchkommen ermöglichen. Die in Deutschland meistgenutzte Legominose ist Klee)

Zur Arbeit auf dem Feld ein ander mal.
(photos von den anderen pholgen)

Samstag, 12. Juli 2008

aceite de castania

Eines der typisch peruanischen Prudukte sind ist die Castania (Paranuss). Sie werden von den Castanieros gesammelt, die obwohl die Nuss nur in zwei Monaten im Jahr gesammelt werde kann, das ganze Jahr damit beschäftigt sind. Die Eltern von Luis sind solche Castanieros und so kommen wir an diesen Sack voll Nüssen in tertiärqualität. Alle zusammen sitzen wir um den Tisch und schneiden schlechte Stellen aus den Castanias. später werden sie gemahlen und zu Öl verarbeitet um das sich so einige Legenden ranken. Es soll gut gegen Krebs sein, die Haut geschmeidig machen und der Fruchtbarkeit verhelfen. Lecker und gesund ist es aber auf alle Fälle. Die Bauern erzählen sich, drei Castanias anstelle eines Frühstückes lassen dich härter arbeiten und länger leben. Gerüchte solcher Art gibt es eine Menge. Ich werde sie nach und nach hier einfliessen lassen.

el paro

Ich weiss ja nicht, wer es schon mitbekommen hat, aber der Grund, weswegen ich mich tagelang in Schweigen gehüllt habe, ist ein Streik. Ein drei Tage langer Generalstreik um genau zu sein. Drei Tage lang kein Motorad oder Auto auf der Strasse und kein eiziges Geschäft geöffnet. Mit einer Atemberaubenden Solidarität hat sich jeder daran gehalten. In Deutschland kaum denkbar, wo selbst ein Bahnstreik (Ein halber, wenn überhaupt) die Nation entzweit.



Der Grund für den Streik sind eine Reihe von Gesetzen, die dem Freihandelsvertrag folgten, den Alan Garcia, Präsident Perus, vor einiger Zeit mit den USA schloss. Bevor ich zu den Gesetzen komme, ein paar Worte zu Alan Garcia. Das letzte Mal, dass Garcia das Präsidentenamt innehatte endete dies in einer (höchst inflationären) Inflation. Die Wut der Bevölkerung trieb ihn nach Frankreich ins Exil. Von dort kam er dann irgendwann wieder und liess sich mangels Alternativen erneut zum Präsidenten wählen. Garcia ist gross und fett (http://www.presidencia.gob.pe/images/alan_garcia.jpg), eigentlich ziemlich untypisch für einen Peruaner (weshalb böse Zungen behaupten er sei in Wirklichkeit Chilene). Ihn im Fernsehen zu sehen muss wohl auch deswegen fast schon witzig sein, weil er es schafft, "freier Handel" und "Liberalisierung der Märkte" in jeden Satz einzubauen. Ausserdem hat er das grösste Gehalt unter den Lateinamerikanischen Präsidenten, obwohl Peru ein vergleichsweise armes Land ist. Während seiner Exilzeit zahlte man ihm seine fette Pansion nicht. Nun hat er, wieder im Land, den peruanischen Staat (dessen Präsident er ist!) verklagt um an jenes Geld zu kommen.


Nun diese Gesetze sehen also in etwa so aus: Das Land soll gerechter verteilt werden (also den Armen genommen und Privatinvestoren verkauft). Deswegen wird all jenes Land, welches nich genutzt wird (also vor allem solches auf dem noch Wald steht) verstaatlicht und denen (gegen ein kleines Entgelt) gegeben, die etwas damit anfangen (also vor allem ausländische Konzerne, die dort Biodiesel produzieren wollen).


Scheinbar scheint sich niemand vorstellen zu können (oder wollen), dass auch ein Stück Wald (die Umwelt mal beiseite) Nutzen haben kann, wie etwa zur Jagd, für Holz oder zum Sammeln von Früchten und Nüssen.



Irgendwann hat es den Peruanern, vor allem aber den Bewohnern der Selva, schlicht gereicht, das sie vollständig ignoriert wurden. Ein Streik wurde organiesiert und angekündigt, keine Reaktion von seiten der Regierung.


Da mein Chef Luis als Präsident der AAE (Asociación de Agricultura Ecológica; http://www.aae.edu.tc/) mitmischen will machen wir uns am ersten Streiktag ab in die Stadt. Dort ist wirklich alles dicht. Kein Geschäfft hat geöffnet. Strassensperren in Form von Streikposten, Baumstämmen und Nagelbrettern hindern die sonst so zahlreich vorhandenen Mopeds, wir auch Fernfahrer mit ihren LKWs am durchkommen. Protestmärsche mit Schildern, Transparenten, Rasseln und Stöcken mit Nägeln (zum Reifenaufstechen, da Fahrverbot) bewaffnet. Ein Recht seltsam anmutendes Bild, da keine wirkliche Öffentlichkeit, kein Publikum vorhanden ist. Es streiken mehr Menschen als die Stadt Einwohner besitzt, da auch Bauern, Minenarbeiter und Castanieros von ausserhhalb gekommen sind. Auf dem Plaza de Armas ("dem Hauptplatz") finden Reuniones wie diese statt. Die Nativos (Staatsbürger, die ihre ursprüngliche Lebensweise im Wald beibehalten haben) sind mit Federschmuck, sowie Pfeil und Bogen gekommen.






Als am Ende des Tages noch keine Reaktion von der Reagierung gekommen ist drängen einige Parteien auf eine Radikalisierung des Streiks. Ausser dem Bürgermeister, der den Streik unterstützt, befindet sich kein hoher Beamter mehr in der Region Madre de Dios. Der Präsident der Region, Kaway, ist schon lange verschwunden.


Dienstag, dem zweiten Streiktag, bringen wir den Streikenden Zitronen und (Koch-)Bananen. Da am Vortag nach Anbruch der Dunkelheit Menschen mit grossen Steinen sowie Pfeil und Bogen bedroht worden sind brechen wir schon früh auf. Auf die Drohung wichtige Gebäude wie etwa Regierung und Flughafen zu besetzen, werden diese von Polizei bewacht, das Kraftwerk gar vom Militär. Die Konzentration der Schilde im Protestmarsch sinkt, die der Reifenstecher steigt.




Mittwochs verlassen wir die Stadt vor der geplanten Zeit. Wir sitzen im Gebäude der Bauernvereinigung und dann: meine Nasenschleimhäute fangen an zu brennen, dann tränen die Augen. Die Peruaner erkennen schneller als ich: Reizgas. Ein paar Strassen weiter ist das Regierungsgebäude besetzt worden, das Gas wirkt bis hierhin. Miguel, zu Gast bei seinen Grosseltern, musste sich gar in Tücher gewickelt unters Bett legen um dem Tränengas zu entgehen.

Als dann nicht weit weg dicker schwarzer Rauch aufsteigt machen wir uns aus dem Staub.

Im Fernsehen sehen wir nicht nur Bilder des Streiks im ganzen Land, sondern erfahren auch: der Rauch kam aus dem Regierungsgebäude, dass mitsamt Autos, Computern und Akten angezünet wurde (durch Brandpfeile). Nachts gibt es die ersten Verhaftungen, Don Pedro schläft mit Hosen, um im Falle einer Verhaftung vorbereitet zu sein.

Ich hab überlebt und bleibe euch erhalten =)


































Sogar die deutsche Presse hat es ja wohl mitbekommen (http://www.taz.de/1/politik/amerika/artikel/1/verletzte-bei-generalstreik-in-peru/) auch wenn der Artikel aus meiner Sicht ein wenig undifferentiert ist und der dazu abgegebene Kommentar rassistisch.

Dienstag, 1. Juli 2008

en fin...

ich bin im djungel, ich habe mein zimmer eingerichtet, das erste mal in einem haengenden bett geschlafen und den ersten tag auf dem feld gearbeitet.

im folgenden werde ich euch nach und nach einzelne themenbezogene posts verabreichen. dann auch mit bildern.

bis dann,
bleiben sie mir gewogen