Drei Monate. Drei lange Monate sind schon vergangen. Doch das Fehlen von Jahreszeiten behindert das Zeitempfinden von eingefleischten Europäern enorm. Zwei Tage zu spät mache ich mich also auf nach Brasilien, mein Visum muss erneuert werden. Direkt aus Puerto Maldonado fahren Sammeltaxis direkt bis in die etwa vier/fünf Stunden erntfernte Grenzstatt Iñapari. Ausgerüstet mit Poesie, Roman und Lehrbuch steige ich ein und wir fahren. Wir fahren die Interozeanica entlang in Richtung Brasilien. Die Interozeanica, ein Mammutprojekt Perus, Brasiliens, sowie in kleinem Umfang auch Bolivien, soll eine Verbindung zwischen den beiden Ozeanen herstellen. Schleppend zieht sie sich durch die Selva. Immerwieder gibt es Rückschläge, die Asphaltdicke oder die Länge einer Brücke sind falsch berechnet worden. Als Hauptverkehrsader ist sie geplant, "El Perú Avanza" (mehr oder weniger: "Peru kommt vorwärts") wird geworben, über Vor- und Nachteile, beide erheblich, wird viel diskutiert. Noch aber rollt der weisse Toyota über eine Schotterpiste. Der Staub, vor dem man im Auto verschont bleibt, liegt wie Nebel über der Strasse, Baustellen und Drempel bremsen die Fahrt und die Windschutzscheibe der Taxis ist serienmässig von springendem Kies zerschossen. Wir fahren und fahren. überall wird an der Stasse gearbeitet, tags, nachts, mit schwerer Maschinerie und mit dem Spaten. Wir fahren, ich lese oder schaue aus dem Fenster, lasse die Arbeiter in orangen Overalls, die Waldränder und die weidenden Kühe an meinen Augen vorbeiziehen. Eine Stunde, zwei Stunden, drei Stunden. Die Comunidades ziehen an uns vorbei. Planchon, Alegría, Ibéria, San Martin . Und dann, kurz vor der Grenzstatt Iñapari, fängt sie an: die Interozeanica wie sie sein sollte. Es wird ruhig, wir rollen über Asphalt. Draussen ist es längst dunkel, doch nun bewegen wir uns wie über ein Rollfeld. Das Fernlicht des Taxifahrers reflektiert sich in den Strasseneigenen Reflektoren und zeigt uns auf etwa einen halben Kilometer deutlichst, wohin unser Weg führen wird. So bewegen wir uns gemütlich und schnell bis Iñapari, von wo ich ein anderes Taxi, zum Kaum zwei Kilometer entfernten Assis in Brasilien nehme. Stempel in den Pass, kein Problem. Dem Hotelbesitzer klarmachen, dass ich kein Handtuch habe und gerne eine Quittung hätte, schon eher. Die Brasilianer sprechen ungefähr soviel Spanisch, wie die Peruaner Portugisisch (Etwa soviel wie die Deutschen Dutsch. Die Niederländer sollte man an dieser Stelle mal kräftig loben). Irgendwie klappt es aber trotzdem und irgendwie gefällt es mir gut hier. Ich sammle einen von den "Nashornkäfern" ein, die, gut sieben Centimeter gross, hier um die Strassenlaternen schwirren, wie in heimischen Gefilden Motten, und spaziere durch das nächtliche Assis. Ein kleiner, aber wunderschöner Park, gepflasterte Strassen, bunte Häuser, Sauberkeit.
Den morgen verbringe ich briefeschreibend in der Idylle des kleinen Parks. Dann geht es zurück: Einreise in Brasilien, Ausreise aus Brasilien, Einreise in Peru. Vollgeladen mit brasilianischen Süssigkeiten und Cachaça, und einem neuen Visa mache ich mich auf den Heimweg. Bis in zwei Monaten.
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen