Mittwoch, 6. August 2008

el chuyachaqui

Als wir letztlich, samenschälend, vor dem Haus sitzen, fangen urplötzlich die Hunde an zu bellen. Ein Junge von etwa 9 Jahren späht aus dem Gebüsch heraus. Erst ängstlich, gesellt er sich doch zu uns, als wir ihn herzlich begrüssen, streunende Nachbarskinder sind keine Seltenheit hier. Er setzt sich zu uns auf die Bank und wir sehen, er hat einen Arm verkrampft angewinkelt. Vermutlich eine Behinderung. Obwohl wir auf ihn einreden reagiert er nicht, starrt nur, den Rücken zu uns, in den Himmel. Wir unterlassen die Kommunikationsversuche und disputieren jetzt auf deutsch weiter. Der Junge scheint stark autistisch zu sein. So wie er gekommen ist geht er auch wieder, unvermittelt, kommentarlos.

So schon eine seltsame Begegnung.
Doch als wir Luis davon erzählen sagt dieser ohne zu zögern:
"Na klar, das war der Chuyachaqui. Der tritt häufig in dieser Form auf."


Um mein ungläubiges Gesicht nachvollziehen zu können sollte man nicht nur folgendes wissen, sondern sich auch darüber im klaren sein, das ich all dies schon wusste. Luis hat sich diese Geschichte also nicht ausgedacht, sie existierte schon.
Der Chuyachaqui also (sprich Tschujatschacki) ist ein Waldgeist. In seiner tatsächlichen Gestalt dem Pan der griechischen Mythologie garnicht unähnlich, zieht er es doch vor, insbesondere im Umgang mit Menschen, eine andere Gestalt anzunehmen. Seine Berühmtheit verdankt der Chuyachaqui seinem Hobby. Wenn die Männer tagsüber auf dem Feld arbeiten sucht er ihre Häuser auf und verführt ihre Frauen.
Selbst für mich, der ich mich einen rationalen Menschen schimpfe ist die ganze Angelegenheit ein wenig gruselig. Hoffen wir einmal, dass der Chuyachaqui weder deutsch spricht, noch die Fähigkeit (oder die finanziellen Mittel) besitzt, den Atlantik zu überqueren.

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