Die limeñer Tage vergehen, dass ich gute Cebiche gegessen habe, die Plaza de Armas gesehen, das ist wohl kaum erwähnenswert.
Es kommt also der Tag meiner Abreise. Mit dem Rückflug ist da wohl ein kleiner Fehler unterlaufen. Ich solle meine Rückreise dann in einem Monat antreten. Auch in langen Schlangen anstehen und viel meckern hilft nicht, falsch gebucht ist falsch gebucht. Also gehts zum Busbahnhof, wir kaufen ein Ticket bis nach Puerto und - und das ist doch erfreulich - mir bleiben noch 5 Stunden um ein wenig der Stadt herumzulaufen. Mein erstes Ziel ist Polvos Azules, ein gigantischer Markt, wo ich mich mit raubkopierter Musik und gefälschten Lacostehemden eindecke. Hoch zufrieden suche ich mir eine neue Beschäftigung, ich zeichne ein wenig in einem Stadtpark, kaufe mir ein Inkakolaeis am Stiel und stelle mich gefühlte sieben Stunden in die Schlange zum italienischen Museum. Ich stehe mir die Beine in den Bauch und lese Rilkes "Briefe an einen jungen Dichter" gleich zum zweiten, und zum dritten Mal.
Dann ist es soweit. Italienisch sind nur die grösstenteils mittelmässigen Bilder. Der Hauptaugenmerk liegt auf den Skulpturen von Dalí, Degas und Rodin. Wer Rodin kennt, dem muss ich nicht erklären, dass es sich gelohnt hat. Noch einen kurzen, begeisterten Blick auf "den Denker" und ich beeile mich, dass ich den Bus nicht verpasse.
Die Wüste hatte ich ja schon erwähnt, aber jetzt fahre ich mitten hindurch. Geröll und Staub, soweit das Auge reicht - die romantische Sandwüste findet man hier nicht. Kleine Hügel, kleine Dörfer entlang der Strasse, Zu-verkaufen-ab-200ha-Schilder, Felsenlandschaft. Ab und an sieht man Werbung, die einem bizzar vorkommt. Eine 50m lange bedruckte Plastikplane stellt einen quell Pepsi dar, der sich aus der auf einer Anhöhe liegenden LKW-grossen Flasch ergiesst, turmhohe zweidimensionale Eisbären stehen auf einem quadratischem, komplett weiss angemaltem Stück Wüstenboden und preisen Coca Cola an.
Was man sonst noch zu Gesicht bekommt, wenn man mit dem Bus aus der Wüste in die Anden fährt:
- Staub (der Fairness halber muss ich ihn nocheinmal erwähnen. Es ist wirklich viel Staub.)
- Ica, wo an jeder Ecke Wein verkauft wird.
- Einen Herren, der mit seinem Kätzchen spielt (mit einer an einer Schnur aufgehängten, stetig schnappenden Schere!)
- Drei Männer, die sich in einem Innenhof mit Pistolen bedrohen
- Grasbedeckte Hochebenen mit Seen, an deren Ufern die, für ihre Wolle berühmten, Vicuñas grasen.
- den majestätischen Maguey
- Andenmamis mit knielangem Faltenrock, dicken Strümpfen und Filzhut
- Ein auf einem Strohballen den Sonnenuntergang erwartendes Pärchen
- Eukalypthus
- Felsen
- tote Hunde
- und letztendlich dann auch noch einmal Cusco
Der Bus, frisch aus der Werkstatt, funktionierte nicht ganz zur Zufriedenheit der Reisenden. Es gibt weder DVD noch Musik, ein Umstand, der mir eine angenehm ruhige Fahrt beschehrt. Ich höre meine Musik und meine Reportagen, ich schaue aus dem Fenster, ich bin zufrieden. Auch der Motor scheint nicht einwandfrei zu laufen. Der Fahrer traut sich, aus Furcht garnicht anzukommen, in den Steigungen nicht schneller zu fahren als ein Schleichtempo, das manche Fahrgäste zu recht wüsten Äusserungen zum armen Jungen vom Bordservice veranlasst - Erst recht, nachdem die Uhren auf 4Uhr zeigen, viele ihren Anschlussbus verpasst haben. Der nächste Bus geht erst morgen um die gleiche Zeit. Ein Tag in Cusco, und das nicht aus eigenem verschulden, der also nicht von der Ferienzeit abgerechnet wird - was will man mehr - , ich bin zufrieden.
Das Hostal bezahlt die Agentur, den Tag geniesse ich. Den Pullover auf dem Leib (Wann bekommt man nochmal so eine Gelegenheit? Bis Ende März bleibe ich im tropischen Puerto Maldonado.), begebe ich mich in das Gassengewirr Cuscos, lausche in einem Lokal mit Livemusik drei bolerosingenden, gitarreklipfernden und cajonklopfenden Cubanern (Wann bekommt man nochmal so eine Gelegenheit? Bis Ende März bleibe ich im sagen wir mal "ruhigen" Puerto Maldonado.), lege mich in mein Federbett (Wann bekommt man nochmal so eine Gelegenheit? Bis Ende März bleibe ich im in Bretterbetten schlafenden Puerto Maldonado.) und kaufe Rohtabak, Chuntabrot, Honig und Trockenobst. (Wann bekommt man nochmal...) Globalisierung? Hier nicht. Trivialitäten aus der einen Region sind hier ein beliebtes Mitbringsel in der anderen. Eine Kakaofrucht hat man in der Sierra nochnicht gesehen, an Honig ist in der Selva einfach nicht dranzukommen.
Für eine Zeichnung reicht es noch, aber dann ist der Tag auch schon zuende. Den Seesack auf die Schulter und auf nach Puerto Maldonado.
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1 Kommentar:
mehr mehr..ich mag mehr lesen:) viel besser als mein Buch was ich im Moment lese, wobei das wahrscheinlich eine Beleidigung für Goethe wäre, aber deine Erzählungen fesseln mich im Moment eindeutig mehr.
Liebste Grüße deine Mone
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